Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia gescheitert

Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia scheitert mit der Übernahme der Deutsche wohnen. Grund dafür ist, dass man sich nicht genügend Aktien der Deutsche Wohnen sichern konnte. Wer sind nun die Verlierer und Gewinner?

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Das Scheitern der Übernahme ist noch sehr frisch, doch erste Auswirkungen zeichnen sich schon ab. Vor allem in Berlin werden die Karten nun neu gemischt. Warum kam es zum Scheitern der Übernahme und wer sind die Verlierer?

Gänzlich abgekommen scheint man von einer Übernahme nicht gekommen zu sein. Jedoch fragt sich nach dem Sinn, einen dritten Versuch zu starten. Sind die Synergieeffekte wirklich so hoch? Oder möchte Vonovia-Chef Rolf Buch um jeden Preis wachsen?

Daran scheiterte der Deal

Zweiter Anlauf, zweite Pleite! Deutschland´s größter Wohnungskonzern Vonovia scheitert mit der Übernahme der Deutsche Wohnen – und das schon zum zweiten Mal. Laut einer Pflichtmitteilung konnte sich der Bochumer Konzern nicht die benötigten 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien sichern. Bereits am vergangenen Freitag hatte Vonovia bekannt gegeben, dass man das anvisierte Ziel wohl nicht erreichen würde.

Aus der Verlautbarung geht hervor, dass Vonovia sich nur 47,62 Prozent der Grundkapitals und der Stimmrechte sichern konnte. Als Bedingung für eine erfolgreiche Übernahme wurden allerdings 50 Prozent angegeben. Die bisher eingereichten Aktien der Deutsche Wohnen werden demzufolge zurückgebucht.

Ziel war es, der der rund 18 Milliarden Euro teuren Übernahme Europas größten Immobilienkonzern mit zusammen etwa 550.000 Wohnungen zu schaffen. Vorangegangen war die Empfehlung des Vorstands und des Aufsichtsrats der Deutsche Wohnen an die Aktionäre, das Übernahmeangebot anzunehmen. Die Synergien eines Zusammenschlusses sollten in bezahlbares Wohnen, Klimaschutz und Neubauten fließen.

Vonovia scheitert mit Übernahme: 2016

Als sich am Freitag das Scheitern der Übernahme abzeichnete, hatte Vonovia-Chef Rolf Buch sich schon geäußert. Mögliche Optionen seiten ein Verkauf der derzeit von Vonovia gehaltenen Aktien der Deutsche Wohnen, ein erneutes öffentliches Angebot oder der Kauf weiterer Aktien.

Es ist nach 2016 bereits der zweite Versuch der Vonovia, die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Wie bereits vor 5 Jahren wurde die Mindestannahmequote nicht erreicht. Im Gegesatz zu 2021 hatte damals der Vorstand der Deutsche Wohnen von einer feindlichen Übernahme gesprochen.

Das Bundeskartellamt hatte seinen Segen zur Übernahme bereits im Juni erteilt. Der Zusammenschluss der beiden Schwergewichte rechtfertige keine wettbewerbsrechtliche Untersagung. In ihrem Entscheid verwiesen die Wettbewerbshüter auf das Beispiel Berlin. Dort sind nur etwa 150.000 Mietwohnungen, von insgesamt etwa 1,7 Millionen, im Besitz von Vonovia und Deutsche Wohnen.

Was bedeutet das für Mieter?

Der Deutsche Mieterbund hat positiv auf das Scheitern der Übernahme reagiert. Verbandspräsident Lukas Siebenkotten dazu in einer Stellungnahme: Den Mieterinnen und Mietern hätte eine Fusion überhaupt nicht geholfen. Wir sehen keine Vorteile darin, wenn wir immer größere Wohnungskonzerne bekommen.“

Auf die von Vonovia angekündigte Zurückhaltung bei Mieterhöhungen und Modernisierungsumlagen zeigte sich der Deutsche Mieterbund skeptisch. So seien in der Vergangenheit ähnliche Versprechungen im Sande verlaufen.

Auswirkungen auf Berlin

Im Zuge der Übernahmeverhandlungen war es zu Zugeständnissen an das Land Berlin gekommen, wo die Deutsche Wohnen etwa 70 Prozent ihrer rund 155.000 Mietwohnungen hält. So sollten Mieterhöhungen bis 2026 begrenzt werden, neue Wohnungen gebaut werden und Mietwohnungen aus dem Bestand der Vonovia an das Land verkauft werden.

Die Vonovia hat nun angekündigt, die Gespräche darüber fortzuführen. So können sich Mieter auf eine Begrenzung der Mietpreissteigerung bis 2026 verlassen, so Vonovia-Chef Rolf Buch.

In einer ersten Stellungnahme des Berliner Senats dazu, kündigte das Land Berlin Interesse am Kauf von 20.000 Wohnungen aus dem Bestand der Deutsche Wohnen und Vonovia an. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) auf Anfrage von MyBusiness-Mentor: „Das Land Berlin ist nach wie vor daran interessiert, Wohnungsbestände zu erwerben – und dabei in etwa Ertragswerte zu bezahlen. Das Land hat in dieser Wahlperiode bereits knapp 23.000 Wohneinheiten erworben. Wenn von der Vonovia und Deutsche Wohnen weitere 20.000 angeboten werden, ist das gut für Berlin.“

Bevor es dazu kommt, müssen aber beide Konzerne Klarheit in ihre Neuausrichtung bringen, welche die gescheitere Übernahme nach sich zieht. Langfristiges Ziel Berlins sei es, den Anteil günstiger Wohnungen zu vergrößern, damit der Einfluss auf einen fairen Mietspiegel erhöht werden kann.

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Verlierer des Deals

Rolf Buch

Der ambitionierte Rolf Buch ist hatte in den veragngenen Jahren Vonovia auf klaren Wachstumskurs. Neben immer mehr Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden, wurden auch Kooperationen in Frankreich abgeschlossen, und somit Deutschlands größter Wohnungskonzern geschaffen. Durch das Scheitern der Deutsche Wohnen Übernahme, empfing der Wachstumskurs einen klaren Rückschlag.

Michael Müller

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist sehr speziell und ein Pulverfass. Durch die Übernahme erhoffte sich Berlins Oberbürgermeister Michael Müller etwa 20.000 Mietwohnungen, vor allem in sozialen Brennpunkten, erwerben zu können. Der Druck wächst auf ihn, denn regelmässig gehen Tausende Berliner auf die Strasse und protestieren gegen explosionsartig gestiegene Mieten. Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gestoppt hat (das Urteil zum Nachlesen), ist dies die zweite Schlappe für Berlins Oberbürgermeister.

Mieter in Berlin

Berlins Mieter erhofften sich durch die Übernahme eine faire Steigerung der Mietpreise. Die Deutsche Wohnen mit ihrem CEO Michael Zahn ist alles andere als beliebt in Berlin. Durch das Urteil der Karlsruher Verfassungsrichter erhielten diese Hoffnungen einen klaren Dämpfer. Infolge der Mietpreisbremse hatten viele Mieter über Monate weniger Miete überwiesen. Die Deutsche Wohnen fordert jetzt das Geld nach. Die Vonovia jedoch verzichtet auf diesen Schritt.

Update

Update (02.08.2021)

Wie die Vonovia am Sonntag mitteilte, unternimmt sie einen erneuten Anlauf zur Übernahme der Deutsche Wohnen. Dieses mal werden 53 Euro je Aktie geboten, und damit einen Euro mehr als vor einer Woche.

Der Vorstand der Deutsche Wohnen hat seine Zustimung bereits gegeben. Bei einem weiteren Übernahmeangebot innerhalb von 12 Monaten ist diese Zustimmung vonnöten. Angesichts dieser Tatsache ist die ebenfalls erforderliche Zustimmung der Bafin nur noch Formsache.

Damit die Übernahme dieses Mal klappt, braucht die Vonovia mehr als 50 Prozent der Aktien. Bei der gescheiterten Übernahme in der Vorherwoche kam die Vonovia nur auf einen Besitz von 47,6 Prozent der Aktien.

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